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Anschlagtechnik

Anschlagpunkte richtig auswählen und belasten

Gewinde, Werkstoff, Lastrichtung und Beweglichkeit entscheiden darüber, ob Ringschraube oder drehbarer Anschlagpunkt passt.

Aktualisiert: 24.10.2026 Lesedauer: ca. 8 Minuten Fachredaktion: SHT Hebetechnik
Kurzantwort: Ein Anschlagpunkt verbindet die Last mit dem Anschlagmittel. Gewindegröße und Nenntragfähigkeit allein reichen für die Auswahl nicht: Werkstoff und Festigkeit des Bauteils, Einschraublänge, Lastrichtung, Zahl der Punkte und die Beweglichkeit des eingehängten Mittels müssen zusammenpassen.

Starre und ausrichtbare Bauarten

Ringschrauben und Ringmuttern haben definierte Belastungsrichtungen. Dreh- und schwenkbare Anschlagpunkte können sich besser in Kraftrichtung ausrichten, besitzen aber ebenfalls klare Einsatzgrenzen. Seitliche Anlage, Verkanten oder Abstützen des Bügels an einer Kante kann unzulässige Biegung erzeugen.

Die Tragfähigkeit hängt von der Lastrichtung ab

Herstellertabellen unterscheiden axiale, schräge und gegebenenfalls seitliche Belastungen. Bei mehreren Anschlagpunkten kommen Neigungswinkel und Lastverteilung hinzu. Der höchste Tabellenwert darf nicht übernommen werden, wenn die reale Zugrichtung davon abweicht.

Das Gewinde ist Teil des Lastpfads

Gewindedurchmesser, Steigung, Festigkeit, Einschraublänge und Werkstoff der Last müssen zur vorgesehenen Belastung passen. Der Anschlagpunkt wird vollständig eingeschraubt und nach der Herstelleranleitung angezogen. Sackloch, Durchgangsbohrung und weiche Werkstoffe können unterschiedliche Anforderungen erzeugen.

Schweißbare Anschlagpunkte brauchen einen festgelegten Prozess

Bei schweißbaren Ausführungen gehören Grundwerkstoff, Nahtvorbereitung, Schweißanweisung und Qualifikation zusammen. Lack, Zunder und Verunreinigungen sind im Nahtbereich zu entfernen. Nach der Montage beziehungsweise Schweißung ist eine Kontrolle erforderlich; Veränderungen an tragenden Teilen sind nicht improvisiert auszuführen.

Freie Beweglichkeit erhalten

Haken, Schäkel oder Kettenglied müssen in der vorgesehenen Aufnahme frei beweglich sein. Das Anschlagmittel darf nicht auf Schraubenkopf, Hakenspitze oder Lastkante drücken. Bei schwenkbaren Bügeln ist zu prüfen, ob der geplante Wendevorgang innerhalb der freigegebenen Bewegungsrichtung liegt.

Mehrere Anschlagpunkte bedeuten nicht automatisch Gleichverteilung

Bei zwei, drei oder vier Anschlagpunkten verändern Neigungswinkel und Schwerpunkt die Belastung jedes einzelnen Punkts. Eine steife Last kann wegen kleiner Höhen- oder Längenunterschiede nur auf einem Teil der Punkte tragen. Herstellerangaben für den mehrsträngigen Lastfall und die Regeln zur Lastverteilung müssen deshalb bereits bei der Auslegung berücksichtigt werden.

Vor jeder Benutzung kontrollieren

  • fester Sitz und gegebenenfalls vorgeschriebenes Anzugsmoment,
  • vollständige und lesbare Kennzeichnung,
  • Verformungen, Kerben, Risse, Korrosion oder Verschleiß,
  • Zustand von Schraube, Gewinde und Schweißnaht,
  • leichte Funktion dreh- oder schwenkbarer Teile.

Welche Angaben werden für die Auswahl benötigt?

Hilfreich sind Lastgewicht, Zahl und Position der Punkte, Zugrichtung, Werkstoff und Dicke des Bauteils, vorhandenes Gewinde, Lastwechsel, Temperatur und gewünschte Anschlussgeometrie. Passende Bauarten finden Sie unter Anschlagpunkte sowie Ringschrauben und Ringmuttern.

Häufige Fragen

Darf eine starre Ringschraube seitlich belastet werden?

Nur innerhalb der für die konkrete Bauart dokumentierten Belastungsrichtungen und Tragfähigkeiten. Eine axiale Tragfähigkeitsangabe darf nicht ungeprüft auf Quer- oder Schrägzug übertragen werden.

Kann ein drehbarer Anschlagpunkt unter Last gedreht werden?

Dreh- oder schwenkbar bedeutet nicht automatisch, dass das Bauteil unter Last dauerhaft rotieren darf. Maßgeblich ist die Betriebsanleitung der konkreten Ausführung.

Reicht die Gewindegröße für die Auswahl?

Nein. Werkstoff, Gewindetiefe, Bauteildicke, Lastrichtung, Lastwechsel und die Tragfähigkeit der Einbaustelle müssen ebenfalls passen.

Fachliche Grundlagen

Die redaktionelle Darstellung wurde eigenständig formuliert. Für die konkrete Anwendung gelten die aktuelle Fassung der Regelwerke sowie die Betriebsanleitung des jeweiligen Produkts.

Wichtiger Hinweis: Dieser Ratgeber ist eine Auswahl- und Verständnishilfe. Er ersetzt weder die Gefährdungsbeurteilung und Betriebsanweisung des Arbeitgebers noch Herstellerunterlagen, Prüfung oder anwendungsbezogene technische Auslegung.
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