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Anschlagtechnik

Anschlagmittel richtig auswählen: 9 Angaben vor der Bestellung

Von Lastgewicht und Schwerpunkt bis zu Neigungswinkel, Kanten und Anschlussmaßen: die vollständige Auswahlcheckliste.

Aktualisiert: 24.10.2026 Lesedauer: ca. 9 Minuten Fachredaktion: SHT Hebetechnik
Kurzantwort: Das richtige Anschlagmittel wird nicht nur nach Tonnen ausgewählt. Lastgewicht, Schwerpunkt, Zahl und Lage der Anschlagpunkte, Anschlagart, Neigungswinkel, Kanten, Umgebung und Anschlussgeometrie bestimmen gemeinsam, ob Kette, Hebeband, Rundschlinge, Seil oder eine Traverse geeignet ist.

1. Tatsächliches Lastgewicht bestimmen

Ausgangspunkt ist die schwerste real vorkommende Last, nicht ein typischer Mittelwert. Hinzu kommen gegebenenfalls Anbauteile, Hilfskonstruktionen oder Lastaufnahmemittel. Das Hebezeug muss die gesamte am Haken wirkende Last tragen können. Unbekannte Gewichte sind vor dem Hub verlässlich zu ermitteln.

2. Schwerpunkt und Anschlagpunkte erfassen

Der Kranhaken muss sich im stabilen Hebezustand über dem Schwerpunkt befinden. Liegt der Schwerpunkt außermittig, werden die Stränge ungleich belastet. Position, Tragfähigkeit und Belastungsrichtung der vorhandenen Anschlagpunkte müssen zur geplanten Aufnahme passen. Eine symmetrische Geometrie beweist noch keine gleichmäßige Lastverteilung.

3. Anschlagart festlegen

Direktes Anschlagen, Hängegang und Schnürgang wirken unterschiedlich auf Anschlagmittel und Last. Die Tragfähigkeitsangaben auf Anhänger oder Etikett beziehen sich auf definierte Anschlagarten. Beim Schnürgang kann eine Reduzierung erforderlich sein; bei empfindlichen Lasten sind Druck und Einschnürung zusätzlich zu bewerten.

4. Neigungswinkel gegen die Senkrechte prüfen

Mit zunehmendem Neigungswinkel steigen die Kräfte in den Strängen. Belastungstabellen unterscheiden deshalb typischerweise Winkelbereiche bis 45 Grad und über 45 bis 60 Grad. Der Wert wird zwischen Strang und gedachter Senkrechter gemessen. Eine flacher laufende Anschlaggeometrie ist nicht automatisch günstiger.

5. Zahl der tragenden Stränge realistisch ansetzen

Bei mehrsträngigen Gehängen dürfen nach DGUV grundsätzlich nur zwei Stränge als tragend angenommen werden, solange eine gleichmäßige Verteilung auf weitere Stränge nicht nachgewiesen ist. Steife oder asymmetrische Lasten, abweichende Anschlagpunkthöhen und Toleranzen können einzelne Stränge deutlich stärker belasten.

6. Kanten und Oberflächen bewerten

Scharfe oder kleine Kantenradien können textile Anschlagmittel schneiden und Ketten ungünstig umlenken. Kantenschutz muss zur Geometrie und zum Anschlagmittel passen und während des gesamten Hubes an der richtigen Stelle bleiben. Empfindliche Oberflächen können gegen ein Metallgehänge sprechen, während raue, heiße oder scharfkantige Lasten textile Mittel ausschließen können.

7. Temperatur und Umgebung angeben

Hitze, Kälte, Säuren, Laugen, Lösungsmittel, Feuchte und andere Medien beeinflussen Werkstoffe unterschiedlich. Tragfähigkeitsreduzierungen und Ausschlüsse sind hersteller- und systemabhängig. In explosionsgefährdeten Bereichen genügt keine allgemeine Materialvermutung; nur die dokumentierte Eignung der vollständigen Ausführung zählt.

8. Anschlussmaße abgleichen

Aufhängering, Haken, Schäkel und Anschlagpunkt müssen frei beweglich und geometrisch kompatibel sein. Eine Öse darf nicht auf der Hakenspitze liegen oder seitlich gequetscht werden. Neben der Tragfähigkeit sind lichte Weite, Materialdurchmesser, Hakenmaul und Bewegungsraum zu prüfen.

9. Kennzeichnung und Dokumentation einplanen

Tragfähigkeitsanhänger beziehungsweise Etikett müssen lesbar und eindeutig zugeordnet sein. Die Gebrauchsanleitung gehört zum Produkt; Prüfungen und Instandsetzungen müssen betrieblich nachvollziehbar bleiben. Nicht eindeutig identifizierbare Komponenten gehören nicht in ein sicherheitsrelevantes Gehänge.

Materialvergleich als erste Orientierung

BauartTypische StärkeBesonders prüfen
AnschlagketteRobust, längenverstellbar, viele EndbauteileSystemkompatibilität, Kanten, Temperatur, Verschleiß
HebebandBreite Auflage, geringes EigengewichtKantenradius, Oberfläche, Nähte, Etikett
RundschlingeFlexibel, passt sich Konturen anMantel, scharfe Kanten, Wärmeeinfluss
TraverseDefinierte Anschlagabstände und LastgeometrieSchwerpunkt, Eigengewicht, Verstellpositionen

Passende Bereiche finden Sie unter Anschlagketten, Hebebändern und Rundschlingen, Schäkeln sowie Krantraversen.

Häufige Fragen

Reicht das Lastgewicht zur Auswahl eines Anschlagmittels?

Nein. Zusätzlich sind unter anderem Schwerpunkt, Anschlagpunkte, Anschlagart, Neigungswinkel, Lastverteilung, Kanten, Temperatur und Anschlussgeometrie zu berücksichtigen.

Dürfen Anschlagmittel mit 60 Grad Neigungswinkel eingesetzt werden?

Der Neigungswinkel eines Stranges wird gegen die Senkrechte gemessen. 60 Grad dürfen bei frei angeschlagenen Seilen, Ketten und Hebebändern grundsätzlich nicht überschritten werden; maßgeblich bleiben Kennzeichnung und Gebrauchsanleitung.

Welches Bauteil bestimmt die Tragfähigkeit?

Die zulässige Belastung des Gesamtsystems wird durch das schwächste beteiligte Bauteil und den konkreten Lastfall begrenzt.

Fachliche Grundlagen

Die redaktionelle Darstellung wurde eigenständig formuliert. Für die konkrete Anwendung gelten die aktuelle Fassung der Regelwerke sowie die Betriebsanleitung des jeweiligen Produkts.

Wichtiger Hinweis: Dieser Ratgeber ist eine Auswahl- und Verständnishilfe. Er ersetzt weder die Gefährdungsbeurteilung und Betriebsanweisung des Arbeitgebers noch Herstellerunterlagen, Prüfung oder anwendungsbezogene technische Auslegung.
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