1. Tatsächliches Lastgewicht bestimmen
Ausgangspunkt ist die schwerste real vorkommende Last, nicht ein typischer Mittelwert. Hinzu kommen gegebenenfalls Anbauteile, Hilfskonstruktionen oder Lastaufnahmemittel. Das Hebezeug muss die gesamte am Haken wirkende Last tragen können. Unbekannte Gewichte sind vor dem Hub verlässlich zu ermitteln.
2. Schwerpunkt und Anschlagpunkte erfassen
Der Kranhaken muss sich im stabilen Hebezustand über dem Schwerpunkt befinden. Liegt der Schwerpunkt außermittig, werden die Stränge ungleich belastet. Position, Tragfähigkeit und Belastungsrichtung der vorhandenen Anschlagpunkte müssen zur geplanten Aufnahme passen. Eine symmetrische Geometrie beweist noch keine gleichmäßige Lastverteilung.
3. Anschlagart festlegen
Direktes Anschlagen, Hängegang und Schnürgang wirken unterschiedlich auf Anschlagmittel und Last. Die Tragfähigkeitsangaben auf Anhänger oder Etikett beziehen sich auf definierte Anschlagarten. Beim Schnürgang kann eine Reduzierung erforderlich sein; bei empfindlichen Lasten sind Druck und Einschnürung zusätzlich zu bewerten.
4. Neigungswinkel gegen die Senkrechte prüfen
Mit zunehmendem Neigungswinkel steigen die Kräfte in den Strängen. Belastungstabellen unterscheiden deshalb typischerweise Winkelbereiche bis 45 Grad und über 45 bis 60 Grad. Der Wert wird zwischen Strang und gedachter Senkrechter gemessen. Eine flacher laufende Anschlaggeometrie ist nicht automatisch günstiger.
5. Zahl der tragenden Stränge realistisch ansetzen
Bei mehrsträngigen Gehängen dürfen nach DGUV grundsätzlich nur zwei Stränge als tragend angenommen werden, solange eine gleichmäßige Verteilung auf weitere Stränge nicht nachgewiesen ist. Steife oder asymmetrische Lasten, abweichende Anschlagpunkthöhen und Toleranzen können einzelne Stränge deutlich stärker belasten.
6. Kanten und Oberflächen bewerten
Scharfe oder kleine Kantenradien können textile Anschlagmittel schneiden und Ketten ungünstig umlenken. Kantenschutz muss zur Geometrie und zum Anschlagmittel passen und während des gesamten Hubes an der richtigen Stelle bleiben. Empfindliche Oberflächen können gegen ein Metallgehänge sprechen, während raue, heiße oder scharfkantige Lasten textile Mittel ausschließen können.
7. Temperatur und Umgebung angeben
Hitze, Kälte, Säuren, Laugen, Lösungsmittel, Feuchte und andere Medien beeinflussen Werkstoffe unterschiedlich. Tragfähigkeitsreduzierungen und Ausschlüsse sind hersteller- und systemabhängig. In explosionsgefährdeten Bereichen genügt keine allgemeine Materialvermutung; nur die dokumentierte Eignung der vollständigen Ausführung zählt.
8. Anschlussmaße abgleichen
Aufhängering, Haken, Schäkel und Anschlagpunkt müssen frei beweglich und geometrisch kompatibel sein. Eine Öse darf nicht auf der Hakenspitze liegen oder seitlich gequetscht werden. Neben der Tragfähigkeit sind lichte Weite, Materialdurchmesser, Hakenmaul und Bewegungsraum zu prüfen.
9. Kennzeichnung und Dokumentation einplanen
Tragfähigkeitsanhänger beziehungsweise Etikett müssen lesbar und eindeutig zugeordnet sein. Die Gebrauchsanleitung gehört zum Produkt; Prüfungen und Instandsetzungen müssen betrieblich nachvollziehbar bleiben. Nicht eindeutig identifizierbare Komponenten gehören nicht in ein sicherheitsrelevantes Gehänge.
Materialvergleich als erste Orientierung
| Bauart | Typische Stärke | Besonders prüfen |
|---|---|---|
| Anschlagkette | Robust, längenverstellbar, viele Endbauteile | Systemkompatibilität, Kanten, Temperatur, Verschleiß |
| Hebeband | Breite Auflage, geringes Eigengewicht | Kantenradius, Oberfläche, Nähte, Etikett |
| Rundschlinge | Flexibel, passt sich Konturen an | Mantel, scharfe Kanten, Wärmeeinfluss |
| Traverse | Definierte Anschlagabstände und Lastgeometrie | Schwerpunkt, Eigengewicht, Verstellpositionen |
Passende Bereiche finden Sie unter Anschlagketten, Hebebändern und Rundschlingen, Schäkeln sowie Krantraversen.
Häufige Fragen
Reicht das Lastgewicht zur Auswahl eines Anschlagmittels?
Nein. Zusätzlich sind unter anderem Schwerpunkt, Anschlagpunkte, Anschlagart, Neigungswinkel, Lastverteilung, Kanten, Temperatur und Anschlussgeometrie zu berücksichtigen.
Dürfen Anschlagmittel mit 60 Grad Neigungswinkel eingesetzt werden?
Der Neigungswinkel eines Stranges wird gegen die Senkrechte gemessen. 60 Grad dürfen bei frei angeschlagenen Seilen, Ketten und Hebebändern grundsätzlich nicht überschritten werden; maßgeblich bleiben Kennzeichnung und Gebrauchsanleitung.
Welches Bauteil bestimmt die Tragfähigkeit?
Die zulässige Belastung des Gesamtsystems wird durch das schwächste beteiligte Bauteil und den konkreten Lastfall begrenzt.
Fachliche Grundlagen
Die redaktionelle Darstellung wurde eigenständig formuliert. Für die konkrete Anwendung gelten die aktuelle Fassung der Regelwerke sowie die Betriebsanleitung des jeweiligen Produkts.